GEMEINSAM UNTERWEGS

Drei Orte. Eine Gemeinschaft.
Lindau-Insel
Glaube im Herzen der Insel.
Reutin
Gemeinschaft und Begegnung.
Zech
Ein Ort zum Ankommen.
Stacks Image 8934
Die Geschichte der St.-Josef-Kirche in Lindau-Reutin

Eine Geschichte von Glauben, Gemeinschaft und dem Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus
Vor vielen Jahrhunderten war Reutin noch ein kleines Bauerndorf am Bodensee. Die Häuser standen dicht um die alte St.-Verena-Kirche, die bereits im Jahr 1311 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Sie war der Mittelpunkt des dörflichen Lebens – ein Ort des Gebets, der Begegnung und des Abschieds.
Mit der Reformation im 16. Jahrhundert änderte sich vieles. Die meisten Bewohner Reutins wurden evangelisch, und die St.-Verena-Kirche ging in die Nutzung der evangelischen Gemeinde über. Die wenigen katholischen Familien hatten fortan kein eigenes Gotteshaus mehr. Sie mussten zum Gottesdienst auf die Lindauer Insel gehen, und selbst die Beerdigung ihrer Verstorbenen war lange Zeit mit Schwierigkeiten verbunden.
Erst im Jahr 1806 wurde erstmals wieder ein Katholik auf dem Friedhof in Aeschach beigesetzt. Nach und nach fanden beide Konfessionen dort ihre gemeinsame Ruhestätte.

Ein großer Wunsch wird Wirklichkeit
Im 19. Jahrhundert begann Reutin zu wachsen. Mit dem Anschluss Lindaus an Bayern und dem Bau der Eisenbahn kamen immer mehr Menschen in die Region. Besonders der Güterbahnhof brachte neue Arbeitsplätze und zahlreiche katholische Familien nach Reutin.
Der Wunsch nach einer eigenen katholischen Kirche wurde immer größer.
Um das Jahr 1900 begannen die ersten konkreten Vorbereitungen. Stadtpfarrer Adolf Aubele setzte sich mit großem Engagement für den Kirchenbau ein. Kirchenbauvereine wurden gegründet, Spenden gesammelt und Grundstücke gesucht.
Eine entscheidende Rolle spielten dabei die Geschwister Georg und Johanna Baur. Sie stellten ihr Anwesen für den Kirchenbau zur Verfügung. Aus ihrer ehemaligen Scheune entstand ein einfaches, aber liebevoll eingerichtetes Gotteshaus.
Am 1. Mai 1905 war es endlich so weit: Die kleine Notkirche wurde feierlich eingeweiht.
Für die katholischen Reutiner war dies ein ganz besonderer Tag. Nach Jahrhunderten hatten sie wieder einen eigenen Ort, an dem sie gemeinsam Gottesdienst feiern konnten.
Doch die kleine Kirche wurde bald zu eng. Bereits 1907 musste sie erweitert werden. Viele Menschen halfen mit Geld, Sachspenden und persönlichem Einsatz. Besonders Gräfin Anna von Quadt und ihre Tochter Julie unterstützten die junge Gemeinde großzügig.
Kirchenbänke, Kelche, eine Monstranz, Glocken und eine Orgel fanden ihren Platz. Sogar das bayerische Königshaus beteiligte sich mit Geschenken.
Ein besonders schönes Zeichen der Verbundenheit war der dem heiligen Josef geweihte Seitenaltar. Er wurde durch Spenden der einfachen Leute ermöglicht. Auch die Figuren des heiligen Georg und der heiligen Verena erinnerten an die Geschichte Reutins und seine Wohltäter.
So wurde aus einer einfachen Scheune ein Gotteshaus, das vielen Menschen ans Herz wuchs.

Die neue St.-Josef-Kirche entsteht
Mehr als drei Jahrzehnte lang war die Notkirche der religiöse Mittelpunkt der katholischen Gemeinde. Hier wurden Kinder getauft, Gottesdienste gefeiert, Ehen geschlossen und Verstorbene verabschiedet.
Doch mit der wachsenden Gemeinde wurde der Wunsch nach einer größeren und dauerhaften Kirche immer dringlicher.
1936 erhielt Reutin schließlich seine neue St.-Josef-Kirche.
Damit ging ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Die katholischen Familien hatten nun ein Gotteshaus, das ihrer gewachsenen Gemeinde Raum bot und dem heiligen Josef gewidmet war.
Über die folgenden Jahrzehnte wurde die Kirche für viele Generationen zu einem vertrauten Ort. Sie begleitete die Menschen durch glückliche und schwere Zeiten und wurde ein fester Bestandteil des Lebens in Reutin.

Ein neues Gesicht für St. Josef
Im Jahr 1981 erlebte die Kirche eine grundlegende Erneuerung. Unter der Leitung des Architekten Fritz Wegmann wurde der Innenraum neu gestaltet. Die Künstler Michael Veit und Hubert Distler schufen einen Kirchenraum, in dem sich Kunst, Glaube und die Gemeinschaft der Gläubigen auf besondere Weise verbinden sollten.
Der neue Altar rückte in den Mittelpunkt. Das große Bronzekreuz darüber wurde zum Zeichen der Erlösung und Hoffnung. Die künstlerische Gestaltung mit dunklen und hellen Flächen sollte den Weg von der Erde zum Himmel, von der Dunkelheit zum Licht sichtbar machen.
Auch die Figuren der Muttergottes und des heiligen Josef, die 1951 geschaffen worden waren, erhielten einen neuen Platz. Der eindrucksvolle Kreuzweg und die kunstvollen Stuckarbeiten blieben wichtige Bestandteile der Kirche.
Am 3. Mai 1981 kam Bischof Josef Stimpfle nach Reutin, um den neuen Altar feierlich zu weihen. Er zeigte sich von der Neugestaltung begeistert und lobte die gelungene Verbindung von Kunst und Glauben.
Für die Pfarrgemeinde war dies ein bewegender Moment und zugleich ein neuer Abschnitt ihrer Geschichte.

Ein Gotteshaus voller Erinnerungen
Wer heute die St.-Josef-Kirche in Lindau-Reutin betritt, begegnet nicht nur einem Kirchengebäude, sondern einer langen Geschichte.
Sie erzählt von den katholischen Familien, die über Jahrhunderte ohne eigene Kirche auskommen mussten. Von den Geschwistern Baur, die ihr Anwesen zur Verfügung stellten. Von großzügigen Wohltätern und einfachen Menschen, die mit kleinen Spenden Großes ermöglichten. Und von all jenen, die ihre Zeit, ihre Kraft und ihren Glauben in diese Gemeinde eingebracht haben.
Aus einer kleinen Scheune wurde zunächst eine bescheidene Notkirche und schließlich ein Gotteshaus, das Generationen von Menschen begleitet hat.

Die Geschichte von St. Josef ist deshalb vor allem eine Geschichte der Menschen von Reutin. Sie zeigt, was entstehen kann, wenn eine Gemeinschaft zusammenhält, ihren Glauben bewahrt und auch über viele Jahre hinweg ein gemeinsames Ziel verfolgt.
So bleibt St. Josef bis heute ein Ort der Begegnung, des Gebets und der Hoffnung – ein Stück Heimat mitten in Lindau-Reutin.

Stacks Image 8936
Münchhofstraße 4, 88131 Lindau
Stacks Image 8938
Stacks Image 8939
Stacks Image 8940
Stacks Image 8941
Stacks Image 8942
Stacks Image 8943
Stacks Image 8944
Stacks Image 8945
Stacks Image 8946
Stacks Image 8947
Stacks Image 8948
Stacks Image 8949
WIR FREUEN UNS AUF SIE
Schön, dass wir
uns begegnen.